Cyberangriffe sind reale Gefahr

CDU-Bundestagsabgeordneter Josef Oster:  Abwehrstrategien sind unverzichtbar

Berlin/Tel Aviv. Mit einer Delegation des Deutschen Bundestags fĂŒhrte der Koblenzer CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Oster in Israel FachgesprĂ€che zum komplexen Thema Cybersicherheit. Der Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Innenausschuss hatte sich bereits in den vergangenen Wochen intensiv mit möglichen Szenarien nach Cyberattacken auseinandergesetzt.

Wie groß halten Sie die Gefahr, dass Deutschland Ziel von Cyberangriffen wird?

Josef Oster: Die Gefahr ist sehr groß und darf deshalb keinesfalls unterschĂ€tzt werden. Unsere Abwehrspezialisten registrieren zahlreiche Angriffe, die bis jetzt weitgehend glimpflich ausgegangen sind. Dies darf uns aber nicht zu einem leichtfertigen Umgang mit der Bedrohungslage verleiten.

Ist durch den Krieg in der Ukraine die Gefahr eines Cyberangriffs auf Deutschland gestiegen?

Josef Oster: Auch wenn sich die aktuelle öffentliche Diskussion in erster Linie um schwere Waffen dreht: Putins Angriffskrieg in der Ukraine gegen die Ukraine und die westlichen Demokratien wird nicht nur auf klassischem Schlachtfeld mit Panzern, Haubitzen und Raketen gefĂŒhrt. Mit hochkomplexen und weitentwickelten Cybertechnologien sind auch wir Zielscheibe des Aggressors. Darauf mĂŒssen wir in jeder Sekunde vorbereitet sein.

Wie gut ist Deutschland denn auf Cyberangriffe vorbereitet?

Josef Oster: Ich glaube, dass wir insgesamt besser dastehen als in der klassischen militĂ€rischen Verteidigung. Dort versuchen wir mit dem 100-Milliarden Sondervermögen fĂŒr die Bundeswehr unsere Verteidigungskraft gezielt zu erhöhen. Doch auch wenn unsere Experten bei der Cyberabwehr sehr aktiv sind: Auf diesem Feld sind die Entwicklungen rasend schnell. Es ist ein anhaltender Wettlauf zwischen potenziellen Angreifern und unserer Abwehr. Unser Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik und unsere Nachrichten- und Geheimdienste sind da sehr wachsam.

Wo sehen Sie die grĂ¶ĂŸten Gefahren?

Josef Oster: Es ist bekannt, dass wir unsere Infrastruktur der Energieversorgung besonders schĂŒtzen mĂŒssen. Wenn beispielsweise Strom- und Wasserversorgung durch eine schwere Cyberattacke getroffen wĂŒrden, wĂŒrde unser gesellschaftliches Leben binnen kurzer Zeit im Chaos versinken. Dieses Szenario ist nicht nur Gegenstand von Horrorfilmen und Sciencefiction-Romanen, es ist RealitĂ€t. Industriebetriebe, KrankenhĂ€user, Einzelhandel, Privathaushalte und Politik – alle Lebensbereiche können von Cyberattacken mit schwerwiegenden Folgen getroffen werden.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus Israel mitgenommen?

Josef Oster: Israel ist aufgrund seiner jahrzehntelangen Kriegserfahrungen und stĂ€ndiger Terrorbedrohung auch auf dem Gebiet der Cyber-Abwehr weltweit eine der fĂŒhrenden Nationen. Ich habe in Tel Aviv hochinformative GesprĂ€che gefĂŒhrt, unter anderem mit Elazar Stern, dem israelischen Minister fĂŒr MilitĂ€rnachrichtendienst und MilitĂ€rgeheimdienst. Er hat mir in sehr klaren Worten deutlich gemacht, welche zentrale Aufgabe die Cyberabwehr heute im Rahmen der Verteidigung hat. Ich nehme aus diesem Austausch interessante Impulse und AnstĂ¶ĂŸe fĂŒr die Aufgabenstellungen der Gegenwart in Deutschland mit.

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